
jemanden lieben?
In unserem Wortgebrauch ist die Liebe meistens auf ein „Du“ bezogen. ICH liebe DICH. Doch auch wenn es natürlich schön ist, das Gefühl zu haben jemanden zu lieben und geliebt zu werden, ist es oft eine seltsame Melange aus tatsächlich erfahrener Liebe und einem „Bündnis-Vertrag“ aus Bedingungen, Projektionen, Bedürfnisbefriedigung, karmischen Verstrickungen, gemeinsamen Lernaufgaben und co-Abhängigkeiten.
Mir gefällt die etwas veraltet anmutende aber viel treffendere Bezeichnung „jemandem meine Liebe entgegenbringen“ … da sie beinhaltet dass dort bereits eine Liebe in mir ist, die ich auf jemanden anderen ausrichte… Wenn ich meine Liebe nicht (zumindest auch) in mir zu entdecken bereit bin, kann ich sie auch auf niemanden ausrichten, sondern lediglich eine Projektion von Liebe auf den anderen werfen. Dann kann ich den anderen begehren, bewundern, erobern, oder (für meine bewussten und unbewussten Bedürfnisse miss-) brauchen… aber wirklich lieben kann ich ihn nicht… Das ist der Stoff, aus dem all die Dramen in der Beziehungswelt gestrickt sind.
Wie viel Liebe in einer Beziehung tatsächlich schon erfahren wurde, erkennt man gut, wenn sich die Wege trennen, wenn Beziehungen enden… eben dann wenn der „Bündnis-Vertrag“ an Relevanz verliert und die in ihm enthaltenen Bedingungen & Muster nicht mehr greifen. Wenn die Liebe wirklich erfahren wurde, ändert eine Trennung nichts an der Liebe, denn die Liebe hat nichts mit dem anderen zu tun, sondern ist lediglich in mir (und im anderen) gereift bzw. wiederentdeckt. Dann ist dort vielleicht noch der Schmerz des Abschieds, der Nostalgie, des Loslassens, präsent, aber die Liebe ist davon unberührt.
Wir haben gelernt, die Liebe mit mannigfaltigen Erfahrungen zu verstricken… Beziehung, Sehnen, Verlangen, Lust, Schmerz, Verliebtsein, Kompromisse, Enttäuschung, Kampf, … und der vermeintlichen Erfahrung, dass die Liebe „kommt und geht“… , dass man jemanden liebt, und dann vielleicht irgendwann nicht mehr… und dass Liebe unvermeidlich mit Schmerz verbunden ist. Aber die Liebe tut niemals weh… das was wirklich schmerzt, ist die (meist unbewusst gemachte) Erfahrung, wie weit wir uns in Wahrheit von der Liebe entfernt haben.
Denn die Liebe ist immer da, ob sie uns bewusst ist oder nicht. Bei den meisten von uns ist sie halt durch unsere alten Erfahrungen noch mehr oder weniger verschüttet, zugemauert hinter dicken Wänden aus Illusion, Schutz und Schmerz… aber sie darf wieder-entdeckt werden zwischen - und in - all den Erfahrungen die wir auf unserem Lebensweg machen. Die Liebe entdecke ich in mir selbst, und nur dort, denn sie hat nichts mit irgendeinem Menschen außerhalb von mir selbst zu tun. Allerdings kann uns der Mensch im Außen auf einem gemeinsamen Weg dabei helfen, diese Liebe wieder zu entdecken… wieder wahrhaftig lieben zu lernen.
Natürlich ist es phantastisch, mit jemandem in Liebe verbunden zu sein, sich gegenseitig zu beflügeln, einen Weg gemeinsam zu gehen… solange ich nicht dem Irrtum unterliege, der andere sei der Grund für meine Liebe, denn dann kann die Liebe nicht mehr frei und bedingungslos fließen. Das geht dann meistens nur so lange gut, wie die Illusion aufrecht erhalten werden kann und die Bedingungen beiderseitig hinreichend erfüllt werden.
Liebe kann nur ICH selbst SEIN und sie in einer Beziehung mit jemandem teilen. Ich kann von meinem Gegenüber erinnert werden und meinen Gegenüber erinnern an diese Liebe die wir sind… an diese hohe, reine Frequenz. Wenn ich mir meiner Liebe bewusst bin, kann ich einen Raum schaffen, in dem sie frei fließen kann. Sie braucht nichts, aber alles kann aus ihr hervorgehen und im Feld dieser Liebe entstehen.
Jemand anderes mag Dir liebevolle Gedanken und Gefühle entlocken, hochschwingende Qualitäten in Dir zum Schwingen bringen, Dich dazu bewegen ein liebevollerer Menschen zu sein… aber die Liebe selbst BIST Du schon immer gewesen - und es ist immer nur ein Sich-Erinnern an Dein wahres Selbst, das Du schon immer warst und immer sein wirst.
Du bist geliebt, liebe Liebe.




