Frankreich hatte mich gerufen… insbesondere das Gebiet nördlich der Pyrenäen … mit einer Ahnung aber ohne wirklich zu wissen warum, und ohne konkreten Auftrag, wusste ich, dass ich dort hin sollte.
Zusammen mit meiner lieben Seelenschwester und Freundin Mahadevi machte ich mich nach dem TantrAmour Festival in Montpellier auf den Weg, den Geheimnissen dieses Callings auf den Grund zu gehen… und es war ein viel tieferer Prozess, als ich mir vorstellen hätte können.
An jedem Ort, den wir besuchten, erfragte ich im geistigen Feld den Grund meines Dortseins… und es war jedes Mal die gleiche Antwort: Selbstvergebung.
Wir sangen und trommelten an heiligen und historischen Orten, ich fühlte was es dort zu fühlen gab, und tauchte für mich in die Sphären, in denen es meiner liebevollen Zuwendung bedurfte.
„Fühlen“ war und ist das Gebot der Stunde.
Dann Montségur: eines der vielen Orte, an dem die Indoktrination und gezielte Verwirrung und Fehlprogrammierung des menschlichen Geistes durch die Kirche zu unvorstellbar grausamen Exzessen geführt hatte… und an diesem Ort zum endgültigen Ende einer freigeistigen Bewegung des Mittelalters führte. Diese Bewegung hatten durch ihren freien Geist und ihre friedvolle & sinnstiftende Lebensweise das versklavende Geschäftsmodell der Kirche in Frage gestellt und mussten somit vernichtet werden.
Das Spiel ist immer noch das Gleiche - damals wie heute - nur die Handlanger haben sich „diversifiziert“. Und hier lag eine Schlüsselerkenntnis für mich. Warum (er)kenne ich die Muster, Mechanismen und Wirkungsweisen von Manipulation, Gehirnwäsche und Massenhypnose in unseren Systemen so genau? Ich habe es selbst studiert und gelebt, es ist in mir verankert, denn ich war selbst in der Rolle eines Handlangers unterwegs… nicht in dieser Inkarnation, aber in vermutlich einigen anderen.
Das anzuerkennen birgt ein großes Heilungspotenzial. Eine ganzheitliche Betrachtungsweise beginnt zu reifen, in der alles mit allem zusammenhängt… und nichts ohne den scheinbaren Gegensatz existiert.
In der Gleichzeitigkeit des Universums löst sich jedes Täter-Opfer Konzept auf. Es ist schlicht unmöglich, darin zu bleiben, wenn wir erkennen, dass wir alles sind, und alles in uns tragen… und auf alles zugreifen können. Es gibt nichts in uns ohne scheinbar gegensätzliche Entsprechung … ebenfalls in uns.
Und in diesem Sinne war es zumindest auf dieser Ebene nicht mehr mit Sinn erfüllt, irgendjemandem in irgendeinem Leben verzeihen zu wollen oder um Vergebung zu bitten, sondern einzig und allein mir selbst zu vergeben… durch alle Zeiten und alle Erfahrungsräume hindurch. Denn alles was ich in diesem Leben erfahre, hat eine Entsprechung in mir selbst in anderen Erfahrungsräumen.
Jeder Ort, den wir bereisten, barg eine Steigerung zum vorherigen Ort und die Reise gipfelte im Besuch der heiligen Quelle von Lourdes. Zunächst fühlte ich den mir bekannten Widerstand gegen die Scheinheiligkeit des katholischen Zirkus, der dort allgegenwärtig in allem präsent war und obendrein noch just zu diesem Zeitpunkt in Form einer Messe zelebriert wurde…
Aber diesmal entschied ich mich dafür zu bleiben… einfach mit dem ganzen Zirkus zu sein und zu fühlen… tiefer, in mich hinein, in alle Ebenen, alle Zeiten… Und just in dem Moment, wo ich mich ganz dem hingab, war die Messe beendet und die Tore öffneten sich für die Begehung…tränenüberströmt und mit dem Mantra der Selbstvergebung auf den Lippen durchschritt ich die Warteschlange zur Quelle… Meter für Meter durch die Menschenmenge, geschüttelt, vom Erkennen erschüttert, zutiefst berührt… und getragen von der Energie des Ortes, die sich mir durch all die ihm auferlegten Filter und Verdrehungen hindurch in seiner ursprünglichen Reinheit offenbarte. Ich war ganz da, in allen Zeiten präsent, nur mein Körper blieb und machte einen Schritt nach dem anderen in dieser Zeit.
Mahadevi an meiner Seite durchlebte ihre eigenen Prozesse, scheinbar getrennt voneinander jeder für sich durchschritten wir den Parcours bis zur Quelle und wieder hinaus in unseren eigenen Geschichten vertieft bis zum Ende. Erst dort offenbarte sich das gemeinsame Geschenk: Wir erkannten uns in der Tiefe unseres Seins. Durch alle Zeiten und Leben hindurch begegneten sich unsere Seelen an diesem Punkt, und öffneten den Raum für ein kraftvolles Ritual der Vergebung und Heilung. Mitten im Gewusel der Menschen um uns herum durchlebten wir - persönlich und unpersönlich stellvertretend für das männliche und weibliche Prinzip - Welle für Welle… Schmerz, Ohnmacht, Verrat, Mitgefühl, Vergebung, Erkennen, Liebe. Es ist nicht in Worte zu fassen, was dort geschah… jenseits von dem, was mit Verstand begreifbar wäre.
Die heilige Quelle in Lourdes hat gewirkt…ganz anders, als vermutet freilich. Sie hat zur Heilung in mir beigetragen, vermutlich weil ich bereit war diesen Schritt jetzt zu gehen und zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, mit genau dem richtigen Menschen an meiner Seite … wie immer hat das Universum alles perfekt inszeniert. Ich hätte es mir nicht ausdenken können.
Die Vergebungs-Reise auf geistigen Ebenen war für mich nun erstmal vollendet… allerdings fehlte vermutlich noch der Bezug zur aktuellen Erfahrungsebene, sodass uns am vorletzten Tag der Reise mein Auto geklaut wurde… mit viel Inhalt wie Keyboard, Audiotechnik, Rechner, Auftrittsklamotten, Festplatten, Handy, Geld usw. und für Mahadevi obendrein noch vieles von ideellem Wert.
Dies bot mir dann reichlich Gelegenheit, die Vergebungs-Reise auf der aktuellen Erfahrungsebene fortzusetzen, die Mechanismen des inneren Richters zu durchfühlen, die Opferpositionen loszulassen, und nach kurzer Schockphase bereits wieder im dankbaren Hier und Jetzt anzugelangen. Hier erlebte ich dann mal wieder die unglaubliche Güte des Universums, die mir nicht nur mein Auto zurückbrachte, sondern tatsächlich alles für meine Musik Unverzichtbare von Wunderhand für mich erhalten ließ.